Rassismus in der MoPo — fast schon subtil
Wenn im Umfeld des Musicals König der Löwen eine Straftat passiert, ist das den Hamburger Boulevardzeitungen eine Meldung wert. Eine der Hauptdarstellerinnen wurde vor einer Woche Opfer einer Gewalttat. Ihr Freund schlug sie nach einer Streiterei krankenhausreif.
Sowohl in der MoPo als auch im Abendblatt folgte Berichterstattung. Jedoch stark unterschiedlich: Das Abendblatt verfasst einen emotionalen, aber seriösen und untendenziösen Artikel, während die MoPo zunächst nicht an Drama spart.
Es sei das “dritte Kapitalverbrechen” unter Beteiligung von Ensemblemitgliedern von König der Löwen. Kapitalverbrechen — das Wort scheint sich von seiner einstigen Bedeutung zu einem Sammelbegriff entwickelt zu haben, mit dem der Journalist hier Gewalttaten gleich welcher Prägung in einen Topf wirft. Eine Serie wird konstruiert, wo es keine gibt. Die beiden anderen beschriebenen Taten fanden 2002 und 2005 statt. Das Musical unterliegt einer personellen Dynamik, so dass in den Jahren seit Bestehen der Aufführung schon hunderte Mitarbeiter an der Durchführung gewirkt haben. Wenn nun drei Verbrechen, die nicht von einer Person, sondern von ausschließlich unterschiedlichen Personen begangen wurden, über das Musical in Zusammenhang gebracht werden, welche Motivation könnte dahinter stecken?
Ein Folgeartikel in der MoPo lässt darüber keinen Zweifel offen: Während im ersten Text nur von einem “südafrikanischen Pass” die Rede war, werden nun Vorurteile verknüpft und in einer voraufklärerischen Boshaftigkeit einem christlichen oder religionsfernen Durchschnittsleser Ressentiments untergejubelt.
Die Religiosität der Darstellerin wird im vorletzten Absatz als Schamanismus bezeichnet, und ihre “merkwürdigen” Ausführungen dazu werden in einer respektlosen Weise dazu genutzt, sie als naive Abergläubige darzustellen.
Dies führt gedanklich auf den letzten Absatz hin, der sich in Bezug auf einen anonymen “Insider” rassistisch ausdrückt. Eingerahmt von Hinweisen auf den Lebensstil von Musicaldarstellern im Allgemeinen steht da folgender Satz über die Musicaldarsteller bei König der Löwen:
“Alle sind Heißblüter”, sagt ein Insider. Südafrikaner, Kubaner, Brasilianer. “Mit denen gehen schnell die Pferde durch.”
Das tatsächliche Problem der häuslichen Gewalt, das in vielen Beziehungen eine Rolle spielt, wird damit in den Kontext der ethnischen Herkunft abgeschoben. Gerade dieser fast subtile Menschenhass ist ein bedenkliches Phänomen in Boulevardzeitungen. Wenn Klischees stumpf und offen bedient werden, fällt das den meisten Lesern hoffentlich noch auf. Aber wo nur in kurzen Zwischensätzen eine rassistische Grundstimmung erzeugt wird, ist Rassismus wirklich gefährlich.
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