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Ausgewogene Berichterstattung in einem führenden Onlinemedium - heute: Ein Gegenbeispiel von Susanne Gaschke (Foto © Bernd von Dahlen / PIXELIO)

Wie man in den Kommentaren dazu im Internet sehen kann, hat der Leitartikel der aktuellen ZEIT vom letzten Donnerstag Erregung verursacht. Wenn sich die ZEIT als journalistisches Medium an das Internet gewöhnt hätte und die Möglichkeiten, die das Internet der Presse bietet, konsequent nutzen würde, wäre diese Erregung vermutlich nicht so intensiv ausgefallen.

Susanne Gaschke, bei der ZEIT anscheinend für die Kritik neuer Medien zuständig (siehe auch hier), malt Dämonen an den Monitor, ohne sie durch Zitate oder Links vernünftig zu bannen, beim Namen zu nennen oder sonstwie greifbar zu machen. Die von ihr als Opfer präsentierten Kulturschaffenden werden mit Namen zitiert. Den bösen, aber schwer greifbaren Antagonisten, die den Gedankendiebstahl befürworten sollen, werden Zitate in den Mund gelegt, die sich leicht erwidern lassen. Es ist nicht klar, von wem diese Äußerungen stammen. Und die Wieselwörter, die die Autorin des Artikels im Zusammenhang mit den Äußerungen verwendet, legen nahe, dass kaum jemand, der bei Sinnen ist, sich diese Worte in den Mund legen lässt.

Beispiele:

  • “Von digital natives [...] sprechen allerlei Zukunftdermediensachverständige“,
  • “Als der schwedische Autor Per Olov Enquist zu den Pirate-Bay-Aktivitäten sagte, Diebe müsse man Diebe nennen, beschimpfte ihn die Gegenseite als »gierigen Autor«.”
  • “Als Joanne K. Rowling erklärte, sie wolle Harry Potter nicht als E-Book sehen, schallte es hämisch zurück, alle ihre Bücher seien längst im Netz – und sie müsse sich überlegen, ob sie ihren Fans den legalen Zugang zum digitalen Potter  verwehren wolle.”
  • “die Umsonst-Mentalität des Netzes” oder
  • Die Ideologen eines »befreiten Wissens« mögen der Meinung sein, [...] YouTube-Filmchen seien ohnehin kurzweiliger als großes Kino. Welche intellektuelle Finsternis droht uns, wenn sie sich irren?”

Was mich daran stört, habe ich kursiv hervorgehoben.

Namentlich zitiert wird lediglich der einschlägige Pirate-Bay-Sprecher Peter Sunde Kolmisoppi, einhergehend mit einem Ackermann-Vergleich. Außerdem wird “Don’t be evil”-Google erwähnt, allerdings nur, um “Pläne” des Konzerns als “unheimlich” zu mystifizieren. Dagegen stellt Gaschke namentlich neben den honorigen Autoren Per Olov Enquist und J. K. Rowling die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen und einige der Unterzeichner des “Heidelberger Appells” heraus, mit Erwähnungen, die die Position des Artikels untermauern.

Diese schlampig und unausgewogen anmutende Recherchearbeit wird durch die hier nicht genutzten Gelegenheiten, die das Internet einer Presseveröffentlichung bietet, verschlimmert. Die Autorin macht sich dadurch unnötig angreifbar, wenn ihre Position Substanz hat. Sie setzt sich dem Vorwurf aus, auf der Suche nach einer “Story” die Hälfte ihres Inhalts erfunden oder aus dem Hörensagen niedergeschrieben zu haben. Wenn man als Journalist davon ausgeht, die Leute wüssten schon, was gemeint ist, ohne dass handfeste Quellen geliefert werden, ist das schluderiger Beinahe-Populismus und von Hetze nicht mehr weit entfernt.

Für ein Beispiel, wie man es richtig angehen kann, siehe den Artikel zum gleichen Themenkomplex bei heise.de.

(Foto: PIXELIO)

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